Meisterstück

Konzeption: Beten und arbeiten im Berliner Dom

Projektbeschreibung

Mein Meisterstück im Fotografenhandwerk wird eine Bild-Serie auf dem Gebiet der Illustrationsfotografie.

Eine klassische Reportage enthält aus meiner Sicht ein Ortsangabe-Bild, ein Übersichtsbild, das Bild vom Menschen in seiner Umgebung, ein Porträt, eine Detailaufnahme und ein Feature.

Das Thema meines Meisterprüfungs-Projekts ist die Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin (Berliner Dom). Ich möchte eine Reportage fotografieren, die den Berliner Dom als Sehenswürdigkeit vorstellt und die Menschen zeigt, die in dem Kirchenbau arbeiten und durch ihr Wirken aus dem Dom das machen, was er ist – das wichtigste protestantische Kirchenbauwerk Deutschlands und Heimat der Gemeinde der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin.

Außenaufnahme

Der Berliner Dom.

Gezeigt werden soll der Dom in Berlin. Das Bild soll Antwort auf die Frage nach dem „Wo findet die Reportage statt?“ geben. Das Bild ist die Ortsangabe der Reportage und zeigt den Berliner Dom als Schlüsselelement. Im Hintergrund ist der Fernsehturm zu sehen.  Den Dom stelle ich visuell korrekt dar, damit der Betrachter den Baustil und die architektonischen Besonderheiten des Doms erkennen kann. Wegen störender tiefer Schatten, die die Domfassade im Tagesverlauf immer irgendwo auf sich selbst wirft, beabsichtige ich den Dom in der Blauen Stunde zu fotografieren. Das Umgebungslicht ist dann weicher und wird mit zunehmender Dämmerung immer blauer. Letzteres wirkt sich mit der durch Strahler angestrahlten Fassade als schöner Kontrast zwischen dunkelblauem Himmel und heller Fassade aus.
Als Fotograf vor Ort habe ich die Bestrebung augenrichtig zu fotografieren. Das bedeutet, dass ich in diesem Fall die stürzenden Linien des Gebäudes korrigieren muss, um ein visuell richtiges Bild des Doms zu fotografieren. Um die stürzenden Linien des Gebäudes so auszugleichen, dass der Dom augenrichtig dargestellt wird, muss die Filmebene meiner Kamera fast parallel (ein bisschen weniger für den augenrichtigen Eindruck) zur Fassade des Doms ausgerichtet sein. Um den Dom als Ganzes fotografieren zu können, vershifte ich das Objektiv meiner Kamera nach oben. Dabei achte ich darauf, dass der Bildkreis der Optik den Sensor voll ausfüllt damit an den Bildrändern kein Helligkeitsabfall entsteht.
Belichtungstechnisch wird es Probleme mit den Spitzlichtern geben. Bei korrekter Belichtung kann es in Laternen und Lampen oder Teilen der Fassade zum Ausfressen der Lichter kommen. Daher werde ich in der Nachbearbeitung mit Adobe Photoshop CS4 ein richtig belichtetes Foto und ein unterbelichtetes Foto übereinander legen und maskieren, um so die Spitzlichter zu korrigieren.
Für die Aufnahme sind zwei Termine vorgesehen. Am 14. Juli 2010 von 21:00 Uhr bis 23:00 Uhr und am 15. Juli 2010 ebenfalls von 21:00 Uhr bis 23:00 Uhr.

Innenaufnahme

Gezeigt werden sollen das Innere des Doms und das Geschehen im Dom selbst. Das Foto soll Antwort auf die Frage geben: „Was findet an diesem Ort statt?“. Innerhalb der Reportage stellt das Foto ein Übersichtsbild dar. Die Innenarchitektur-Aufnahme soll dem Betrachter Aufschluss darüber geben, in welchem Stil der Dom gebaut wurde. Das Bild wird dem Betrachter auch erzählen, was im Berliner Dom passiert. Menschen werden im Dom sein und einen Gottesdienst feiern.

Gemeindemitglieder feirn im Berliner Dom einen Gottesdienst.

Gemeindemitglieder feirn im Berliner Dom einen Gottesdienst.

Die Aufnahme fasse ich wie die Außenaufnahme auf. Stürzende Linien gleiche ich durch das Verschieben der Optik parallel zur Sensorebene nach oben aus. Der Sensor selbst ist parallel zur Dom-Innenwand. Meinen Standpunkt wähle ich so, dass der Innenraum und das Geschehen optimal dargestellt werden. In diesem Fall wird mein Standpunkt die Kaiser-Empore sein, die auf der gegenüberliegenden Seite des Altar-Raums liegt, also hinter der Kirchengemeinde. Neben den stürzenden Linien wird mir bei dieser Aufnahme noch ein anderes fotografisches Problem begegnen. Das Licht im Dom selbst ist eher schummrig und setzt sich aus durch die Fenster einfallendes Tageslicht und Kunstlicht von Leuchtern und Kandelabern zusammen. Die Gefahr besteht, dass diese Lampen überstrahlen und so gar nicht mehr als in ihrer Form zu erkennen sind. Dieser Problematik begegne ich wie folgt: Da ich grundsätzlich im RAW fotografiere, habe ich einen höheren Belichtungsspielraum. Die Aufnahmen werde ich bis zu einer Blende unterbelichten. Dadurch sind die Kronleuchter und die Fenster durchzeichnet. Durch die Entwicklung der RAW-Daten mit Photoshop Camera-Raw werde ich die Schatten anheben, ohne die Spitzlichter zu beeinflussen. Die Menschen im Bild werden auf Grund der notwendigen Langzeitbelichtung unscharf gezeigt. Es wird also keine Probleme mit Rechten am eigenen Bild geben, da durch die Unschärfen niemand erkennbar ist. Die Innenaufnahme soll am 18. Juli 2010 zwischen 09:30 Uhr und 12:00 Uhr während des Gottesdienstes entstehen.

Blick von der Kuppeldecke in den Berliner Dom an dessen Boden Kirchgänger auf den Beginn des Gottesdienstes warten. Das Foto ist das Feature-Bild meiner Reportage. Es handelt sich um eine Innenaufnahme als Übersicht mit stürzenden Linien.

Für den 15. Juli 2010 ist ein Besuch in der Hohenzollerngruft geplant. Hier soll eine Innenaufnahme entstehen, die den Dom noch einmal als Übersicht aufgefasst von einer anderen Seite zeigt; nämlich eine Ebene tiefer, unter dem Dom.

Die Hohenzollerngruft der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin.

Die Hohenzollerngruft der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin.

Dort befindet sich die Gruft der Hohenzollern. Dieses Übersichtsbild soll neben der kirchlichen auch die politische Seite des Doms aufzeigen, denn von einem Hohenzollern, dem damaligen Adelsgeschlecht Preußens, war der Dom einst gebaut worden.
In der Gruft wird es dunkel sein, da das Gewölbe nur durch ein paar schwache Energiesparlampen beleuchtet wird. Auf dieses Licht werde ich einen Weißabgleich machen. Für größtmögliche Schärfe fotografiere ich mit ISO 100 und der optimalen Blende des Tilt/Shift-Objektivs von einem Stativ aus. Durch die langen Belichtungszeiten werden die Besucher der Gruft verwischt dargestellt. Mein Kamerastandpunkt wird zwischen den Särgen, hinter der Absperrung sein.
Eine entsprechende Fotografie-Genehmigung für die Gruft sowie für den Gottesdienst liegt mir vor.

Menschen im Dom

Der Haushandwerker der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin, tauscht eine Energiesparlampe eines Leuchters aus.Mensch und Umgebung sind stehen im idealen Verhältnis zueinander.

Das Bild soll einen Menschen zeigen, der im Dom arbeitet. Es soll Antwort geben auf die Frage: „Wer findet an diesem Ort statt und warum?“. Es ist innerhalb der Reportage das Bild vom Menschen in seiner Umgebung. Es zeigt den Menschen in seiner Umgebung und gleichzeitig die Umgebung selbst. Dieser Umstand weist auf die Brennweite hin, mit der gearbeitet werden muss.

Der Haushandwerker der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin, tauscht eine Energiesparlampe eines Leuchters aus.Es handelt sich um ein Feature-Bild, da die Umgebung stark reduziert dargestellt wird.

Um den Menschen und seine Umwelt zu zeigen, werde ich mit Brennweiten arbeiten, die kürzer sind als die Normalbrennweite meines Formats. Die Normalbrennweite meines Formats (Nikon-FX) beträgt ca. 43mm. Um die Umwelt auch scharf zeigen zu können, werde ich versuchen so weit wie möglich abzublenden. Dies wirkt sich auf die Belichtungszeit aus. Um diese nicht zu lang werden zu lassen, passe ich den ISO-Wert meiner Kamera an. Für Aufnahmen ohne Blitz verwende ich die ISO-Automatik, um nicht ständig die ISO manuell korrigieren zu müssen. Da im Dom Mischlicht aus Tageslicht und Kunstlicht von Energiesparlampen herrscht und die Mischung der Farbtemperaturen überall unterschiedlich ist, fotografiere ich mit dem Automatischen Weißabgleich und korrigiere den Weißabgleich in der Nachbearbeitung in Camera Raw. Am 16. Juli 2010 besuche ich die Haushandwerker des Doms mit meiner Kamera und den Archivar in seinem Archiv.

Der Haushandwerker der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin, steht während seines Rundganges durch den Berliner Dom unter der Kuppeldecke des Doms.Es handelt sich um ein Feature-Bild da der Mensch im Bild dem Kräfteverhältnis Mensch-Umgebung unterliegt und nicht wie in den Vorangegangenen Bildern gleich stark dargestellt ist.

Detail und Übersicht

Dtailaufnahme eines Siegels aus dem Jahr 1437.

Übersichtsbild eines Archivaren der ein Siegel aus dem Jahr 1437 in den Händen hält.

Der Begriff Detail ist etwas irreführend. Gemeint ist das bildinhaltliche Detail und nicht unbedingt eine Macro-Aufnahme. Hauptunterschied zum Bild eines Menschen in dessen Umwelt ist, dass die Detailaufnahme keinen direkten Bezug zum Aufnahmeort hat. Die Detailaufnahme soll einen kleineren Ausschnitt dessen zeigen, was im Übersichtsbild oder im Bild vom Menschen weiter aufgefasst zu sehen ist. Es gibt Antwort auf die Frage „Was genau macht dieser Mensch?“. Es muss am Geschehen oder am Thema „nah dran“ sein. Die Detailbilder der Reportage sollen sich thematisch auf das Übersichtsbild oder das Bild Mensch/Umgebung beziehen. Es zeigt die Schlüsselhandlung größer im Format und zieht den Betrachter so in das Geschehen hinein.
Die Aufnahmen werde ich deshalb während meiner Besuche bei den Mitarbeitern fotografieren. Ob das Detailbild über eine lange Brennweite bei einem weiteren oder nahen Kamerastandpunkt aufgefasst wird, oder mit kurzer Brennweite bei einem nahen Kamerastandpunkt, ist situationsabhängig und entscheide ich vor Ort. Die Detailaufnahmen entstehen während meinen Besuchen bei Organist, Haushandwerker und Archivar.

Porträt

Das Porträt soll einen Menschen zeigen, der im Dom arbeitet. Allerdings nicht den Bezug Mensch-Umwelt-Mensch unterstreichen wie das Bild Mensch/Umgebung, sondern vielmehr den Menschen als Individuum darstellen. Es gibt Antwort auf die Frage: „Wer genau ist dieser Mensch, und wie sieht er aus?“. Streng genommen könnte man meinen, das Porträt sei die Menschen-Detailaufnahme einer Reportage. Das Porträt soll den Charakter des Menschen visualisieren. Bildinhalte (Requisiten) sollen auf die Tätigkeit des Porträtierten hinweisen, um zu zeigen, was der Porträtierte mit dem Thema der Reportage zu tun hat.

Porträt des Dompredigers.

Dazu werde ich den Domprediger vor einem dunklen Hintergrund fotografieren, da ich eine schummrige Stimmung erzeugen will. Der Prediger wird seinen Talar tragen, somit wird auf den ersten Blick sichtbar um wen es geht. Die technische Schwierigkeiten sehen wie folgt aus: Hier wird es weniger darum gehen zu erklären, wer der Porträtierte ist. Das erkennt man an der Kleidung des Pfarrers leicht. Die technische Besonderheit des Porträts liegt darin, den schwarz gekleideten Mann vom dunklen Hintergrund zu trennen. Ich werde hartes Licht setzen, dass den Prediger von zwei Seiten von hinten anstrahlt. Dadurch bildet sich ein Lichtsaum auf dem Talar, der die Silhouette vom Hintergrund trennt. Von vorne setze ich weiches Licht. Die Haltung des Pfarrers ist stehend und liturgisch korrekt, also mit ineinander ruhenden Händen um Ruhe auszustrahlen. Den Organisten werde ich am 14. Juli in der Innung und den Pfarrer am 19. Juli in der Innung fotografieren.