Fotostrecke: Ungewöhnliche Berufe

Fotostrecke: Guß der Glocke Osanna – Zweiter Versuch am 14. März

07. Februar. 2014, Innsbruck: Es ist ganz still in der Halle der Glockengießerei Grassmayr. Draußen weht ein kräftiger Föhn durch die Straßen der Stadt Innsbruck. Ein sonniger Tag. Rauch steht in der Luft der Gießerei. Durch ein Tor fällt Sonnenlicht auf die Szenerie. Es mutet an, als wäre Gott persönlich dabei, als eine der größten Glocken der Welt gegossen wird. Meterhoch waren die Flammen aus der Gußform geschlagen. Nun ist nur das brodeln zu hören das langsam nachgelässt. Peter Grassmayr steht am Rand der Grube. Unten, etwa 3 Meter tiefer, ist die Form der Glocke Osanna fest im Boden verankert. Der Gießer-Meister hält kurz inne und schüttelt den Kopf. Dann nimmt er den Helm ab. Als könnte er selbst kaum glauben was gerade passiert ist dreht er sich weg von der Grube.  “Bei meinem ersten Glockenguß war mir sowas dass erste und letzte Mal passiert und dass ist über 20 Jahre her”, sagt er und wendet sich zur angereisten Delegation aus Frankfurt an der Oder um. Wieder Stille. Nur ganz leise ist ein gurgeln zu vernehmen. “Der Guß ist Fehlgeschlagen”. Am Boden der Gußform fließt glühende Bronze aus einem Loch in die Grube. Niemand rührt sich. Niemand sagt etwas. Nur langsam wird den aus Frankfurt an der Oder Angereisten klar: Es wird keine Glocke Osanna geben. Heute nicht.

Der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck ist ein Traditionsbetrieb. Seit 1599 werden dort Glocken gegossen. Auch die über 5 Tonnen schwere Glocke Osanna, die für die Sankt Marien Kirche in Frankfurt an der Oder bestimmt ist, soll dort gegossen werden. Osanna ist eine von insgesammt drei Glocken, die für die Marien-Kirche in Frankfurt an der Oder bestimmt sind. Nur bei den Grassmayers kann eine so schwere Glocken überhaupt in Auftrag gegeben werden. In ganz Europa findet sich sonst kein Meister, der Erfahrungen mit dem Guß von derart schweren Glocken hat. Niergendwo sonst findet man Handwerker, die so einen Auftrag annehmen. Nur hier, in der Gießerei Grassmayr, die nach über 400 Jahren immernoch ein Familienbetrieb ist, hat man Erfahrung mit schweren Glocken. Nun hat die Physik das Vorhaben eine über 5 Tonnen schwere Glocke zu gießen, scheitern lassen. Vorerst. An Aufgeben denkt bei den Grassmayrs keiner. Im Mittelalter glückte sicher auch nicht jeder schwere Guß gleich beim ersten Mal. Seit dem Fehlschlag laufen in der Gießerei die Vorbereitungen für einen zweiten Versuch. Dieser soll am 14. März 2014 um 10:30 Uhr unternommen werden. KDG-Foto wird dabei sein und hier und auf der Homepage www.newsbrothers.de berichten.

„SOLI DEO GLORIA – An Gottes Segen ist alles gelegen“. So lautet die Firmenphilosophie der Gießerei Graßmayr. Ob Gottes Segen dabei helfen wird die Grenzen der Physik beim Guß einer 5,4 Tonnen schweren Glocke zu überschreiten, zeigt sich am 14. März 2014 in Innsbruck. Sicherlich braucht es neben Gottes Segen auch einen hervorragenden und mutigen Handwerksmeister, – so einen wie Peter Grassmayr.