Richtstättenarchäologie in Fürstenwalde

Der freie Archaeologe Bjoern Boehme (l.) und die Grabungsleiterin, Archchaeologin und Historikerin Marita Genesis untersuchen in Fürstenwalde am Fuße des Galgenhügels eine Grabungsstelle an der die beidenTierknochen gefunden haben. Im September soll dort eine genauere archaeologische Untersuchung der alten Hinrichtungsstaette erfolgen.

Der freie Archäologe Bjoern Böhme (l.) und die Grabungsleiterin, Archchäologin und Historikerin Marita Genesis untersuchen in Fürstenwalde am Fuße des Galgenhügels eine Grabungsstelle.

Fürstenwalde: Mitten in der Stadt Fürstenwalde und doch gut versteckt hinter Wohnhäusern befindet sich die ehemalige Richtstätte der Stadt. Im Dickicht am Fuße des kleinen Hügels knien der freie Archäologe Björn Böhme und die Grabungsleiterin, Archäologin und Historikerin Marita Genesis. Es ist heiß und die vielen Mücken und der Staub machen die Arbeit unangenehm. Die beiden untersuchen eine Grabungsstelle dessen Loch sie zur Probe gegraben haben, um an Informationen über das Alter der Bodenschichten zu kommen.

Die Knochen in der Mulde sind nicht menschlich, sondern stammen von einem Tier, wahrscheinlich von einem Ochsen. Marita Genesis ist Doktor der Archäologie. In den Semesterferien bietet Sie für Studenten der Humboldt-Universität in Berlin und der Viadrina-Universität in Frankfurt an der Oder Seminare zum Thema Richtstättenarchäologie an. Mit ihrem Projekt in Fürstenwalde will sie einen Richtstättenkatalog für das Land Brandenburg erstellen. Der Katalog soll sämtliche Hochgerichtsbarkeiten in der Mark auflisten. In Europa sind bisher nur zwei Richtplätze ausgegraben worden, so die Archäologin auf ihrer Homepage unter www.sciencestarter.de/ausgrabung-richtplatz . Demensprechen wenig Material steht daher zur Verfügung, um Richtstätten und die Art der Urteile zu vergleichen.

Vermessung des Galgenhuegels. Im Hintergrund steht ein Denkmal dass an die Hinrichtungsstätte erinnert.

Im September sollen die Grabungsarbeiten auf dem Galgenhügel beginnen. Dazu wird der Hügel nun vermessen. Vier Wochen lang wird Marita Genesis mit 15 Studenten dann nach den sterblichen Überresten der Hingerichteten graben. Ihr Ziel ist neben der Erfassung der Richtstätte eine Aussage darüber treffen zu können, wie und mit welchen Strafen auf dem Galgenhügel in Fürstenwalde gerichtet wurde und was mit den Körpern der Menschen danach geschah.

Ein Denkmal mit Rabe und Holzbalken erinnert auf dem Galgenhügel an die ehemalige Richtstätte.

Im Mittelalter war es üblich die Gerichteten an Ort und Stelle zu belassen. Oft war es auch Teil des Richterspruchs die Toten etwa zwei Jahre zur Abschreckung hängen zu lassen. Der Galgenhügel lag damals nicht versteckt hinter Häusern, sondern direkt an einer wichtigen Handelsstraße und war weithin sichtbar. Jeder der nach Fürstenwalde kam musste am Galgenhügel vorbei und sah die dort Gerichteten. Die Skelette dieser Toten will die Archäologin nun finden. Anhand von anthropologischen Untersuchungen der Knochen will sie Rückschlüsse auf die Art der Hinrichtung und der angewendeten Gewalt schließen. Ein einmaliges Projekt dass es so in der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat.

Die Archäologin Marita Genesis auf dem Galgenhügel in Fürstenwalde.

Auf ihrer Homepage wirbt die Archäologin für ihr Projekt. Unterstützer können dort  Geld spenden, um das archäologische Projekt zu unterstützen. Die Grabungen beginnen am 31. August 2015 und sollen vier Wochen dauern. Gegraben wird jeden Tag von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr.  Die Ergebnisse der Grabungsarbeiten werden im Anschluss im Richstättenkatalog Brandenburg veröffentlicht.

Diese Reportage liegt angeschlossenen Redaktion im FTP-Eingang vor. Wenn Sie als Redaktion Interesse an der Geschichte haben freue ich mich von Ihnen zu hören. Schreiben sie mir dazu einfach an info@kdg-foto.de Gerne stelle ich den Kontakt zum Wort-Kollegen her, der mit mir zusammen vor Ort war.